Ausstellungen


 „Rausch – nüchtern betrachtet…“

Auf den Frühling kann man sich im Innviertel immer besonders freuen, Kunst und Lebensfreude geben sich ein „Stelldichein“ im KUNSTHAUS. Wir liefern die Ausstellung zum BIERMÄRZ: Vielschichtig und tiefgründig, überraschend und ironisch, kritisch und wohlwollend zugleich…

Vernissage Do, 2.März 2017, 19h30, Eintritt frei!

50 Bildende Künstlerinnen und Künstler aus Österreich, Deutschland und Italien tragen mit Malerei, Grafik, Objekten, Skulpturen, Installationen etc…ihre Ideen zu diesem „rauschenden Fest“ bei: 

Achatz, Adler, Anthofer, Ashoff-Kranz, Bry, Claßen, Conrad, Daniloff, Di Ponio, Dorninger J., Dorninger M., Eberl, Fiumicelli, Gigglberger, Hinterberger, Huber, Jacquier, Klein, Klier, Kowatsch, Labrini, Lengauer, Maringer Chr., Maringer N., Muhr, Neuwerth, Plank /Haimerl Brosch, Polterauer, Reiter R., Reiter S., Richter, Roscher, Rossi, Sagmeister, Schabus, Schlüter, Schmidt, Schneider, Seitl F., Seitl G., Selinger, Sonnleitner, Stressler, Strobl, Summereder, Szuba, Tassev, Schmid, Weindl, Wolf.

 

Alexander Daniloff "Spettacolo non riuscito - Unterhaltung fehlgeschlagen ", 2016
Alexander Daniloff „Spettacolo non riuscito – Unterhaltung fehlgeschlagen „, 2016

Die umfangreiche Ausstellung zeigt Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die sich in engerem oder weiterem Sinn mit dem Thema „Rausch“ auseinandersetzen. Es geht dabei weniger um den landläufigen „Dampf“, als um die Suche nach dem Außergewöhnlichen und dem Ausbruch aus dem Alltag und seinen oft zu engen Grenzen. Kaufrausch kommt ebenso vor wie Geschwindigkeitsrausch, Höhenrausch trifft auf menschliche (Un)-Tiefen, innere und äußere Ekstasen geben sich ein bildnerisches „Stelldichein“ im KUNSTHAUS. Dabei zeigt sich, dass sich die Künstler sowohl der Breite als auch der Tiefe des Themas vollends bewusst sind. Neben provokant direkten und eindeutigen Statements finden sich auch viele Beiträge, die das Thema poetisch umkreisen oder sich der Ironie als Zugangsmittel bedienen. Viele Werke spielen auch mit landläufigen Klischees oder verweigern sich allzu einfachen Interpretationen.

Verdammt und erwünscht zugleich: Der sprichwörtlichen Doppelbödigkeit des ewig klassischen Themas „Rausch“ kommt auch die Kunst nicht aus, aber sie kann es doch von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten. Dazu gehört gerade auch der nüchterne Blick, die Fähigkeit der Kunst, sich sozusagen mit den ihr eigenen Mitteln in „berauschend“ schöne, schreckliche, heitere… Bilder zu versetzten, ohne dass von außen berauschende Substanzen zugeführt werden müssen.

Wer sich also von der Ausstellung hauptsächlich einen „b´soffenen“ Radikalhumor erwartet wird wahrscheinlich enttäuscht. Im Gegensatz zum „traditionellen“ Rausch mit all seinen nicht unbeträchtlichen Nachteilen bietet der künstlerische Zugang einige Vorteile. Aber auch in der Kunst gibt es nichts umsonst, gerade das Thema „Rausch“ muss man sich in der Kunst hart erarbeiten, aber nicht mit Alkohol, sondern mit Farbe, Pinsel, Stift, Stemmeisen, Fotoapparat etc…und auch ein „Malrausch“ kann mit einer tiefen Ernüchterung enden!

Die großzügigen Ausstellungsräume im KUNSTHAUS bieten einen idealen Rahmen für die Präsentation bildender Kunst. Hier zeigt sich die große Vielfalt und hohe Qualität zeitgenössischen Kunstschaffens im besten Licht!

Josef Brescher, Künstlerischer Leiter BURG OBERNBERG


Auf vielfachen Wunsch hin hier die Eröffnungsrede: Eine „Schnaps-Idee“ zur Eröffnung der Ausstellung „Rausch-nüchtern betrachtet…“ im KUNSTHAUS BURG OBERNBERG März 2017.

Trink-Rede des Kurators der „Rausch-Ausstellung“ an seine rein fiktive und nur aus literarischen Personen bestehende Gästeschar.

von Josef Brescher

Einen schönen Abend, ihr Trinkgenossen, Saufbrüder und Trinkschwestern, ihr Rauschköpfe und -Kugeln, ihr B´suffs, Alkis und Konsorten.

Haaalllooo (winke winke…) ihr illuminierten Schnapsnasen, die ihr euch heute kulturell unterlegt hinwegtschechern wollt. Wir reden uns hier nicht sanft in Rage, sondern sudern uns gleich sinnlos saufend über den Schwips zum Volldampf. Wir bleiben heute hier solange sitzen, bis wir einen sitzen haben, einen in der Krone, die uns erst runterfällt, wenn wir später flach liegen.

Unser angesoffener Affe ist nicht nur fett, es ist blunz´nfett, in Öl, sozusagen streichfähig.
Unsere Alkoholisierung kann keine Prohibition verhindern, keine Promillegrenze, erst die Alkoleiche würde unseren Fetzen ein jähes Ende setzen. Dem wird aber schon durch vorheriges Schädelweh eine quasi natürliche Grenze gezogen – wie ihr alle aus leidvoller Erfahrung wisst, meine beschwingten Schluckspechte. Zuvor aber steht es uns Trunkenbolden noch zu, Baccus ausgiebig hoch leben zu lassen vor dem tiefen Fall, der den unzähligen „Achterl und Seiterln und Stamperln… in Ehren“ unweigerlich folgen wird und muss.

Ein Delirium will lustvoll herbeigetrunken werden, unser stilvolles Trinkgelage erfordert vorerst Trinkfestigkeit. Die Form muss vor dem Auslaufen noch möglichst lange gewahrt werden, ehe sie zerfließt. Sie verfestigt sich erst am nächsten Nachmittag wieder um von uns erneut verflüssigt zu werden etc. Dieser Teufelskreis – im Fachbegriff der Circulus Vitiosus (ausgesprochen CW)-wird in immer kürzeren Abständen zu WC: zwischen Klo, Club und Kantine geht der Trinker dann so lange zum Krug, bis er bricht…

Niemand , liebe Angeheiterte, braucht UNS erklären, wo der Bartl den Most holt, in den tiefen Kellern macht UNS niemand etwas vor. Wir hängen uns schunkelnd aneinander, dann hängen wir die Flaschen etwas tiefer, an denen wir letztlich selber hängen bleiben. Wir Rauschkugeln kugeln sodann mit unserem Fetzen von Schwips zum Vollrausch mit Kater und vice versa – vom grauen Alltag in das täglich blaue Wunder, für das ein gnädiges Schicksal unverständlicherweise gerade uns auserkoren hat.

Beginnend in der „Blauen Stunde“ so nachmittags um halb fünf trinken wir uns zum „Bunten Abend“ vor, lassen die schwarze Mitternacht furchtlos vergehen, fürchten uns aber furchtbar vor dem grauenden Morgen, wenn die erbarmungslose Sonne unsereinen an die gnadenlos harte, aber kurz bevorstehende Tagschicht erinnert.

Diese hätten wir auf Grund arbeitsrechtlicher Vorgaben zum Alkoholverbot am Arbeitsplatz aber ohnehin nicht antreten können, weshalb wir ersatzweise am frühen Nachmittag schon etwas vorglühen, um für die Härten der Nacht bestens gerüstet zu sein.

Mit derartig lustfeindlichen Konzepten wie geregelten Arbeitszeiten ist unser fester Dulloöh völlig inkompatibel. Wir stehen zwar unter Volldampf, meinen das aber völlig anders als die Restbevölkerung. Wir sind nun mal keine Kinder von Traurigkeit und einem kleinen Glaserl eben nie abgeneigt. „Nie“ ist bei uns nur „fast immer“ und so bleibt der Rest-Alkoholspiegel auf durchgängig respektablem Niveau, man will ja nicht gleich unangenehm aus der feucht-fröhlichen PEER-Group fallen.

Mögen nun andere fest arbeiten, wir feiern fest und schleichen uns dann nicht etwa verschämt im Schlangengang zwischen den Planquadraten durch -in voller Abfüllung, na, mia fetzn in da Fett´n als tief fliegende Prolet´n gleich mitten durch die Absperrungen, uns wundernd, warum uns die Polizei so engagiert zuwinkt mit den roten Laternchen…

Wir heben uns höchstens um einen weitern zu heben, wir wohnen beim Wirten, wo wir die bedrohte Wirtshauskultur mit beschwingter Leichtigkeit aufrecht erhalten, allen Anflügen von Nüchternheit und spaßverderbenden Mineralwasserschlürfern zum Trotz. Man muss es ja nicht übertreiben mit der „Abstidemenz?“ – oder wie das so heißt.

Die Bier- und Weinseligkeit, die sozusagen „Irdischen Formen von Geistigkeit“, die uns halt leichter zugänglich sind als asketische Denkübungen, pflegen wir innigst: Vom Spitzerl aufwärts bis zum Volldampf, da soll uns keiner vor dem Montag in die Ausnüchterungszelle bringen, da sei Zeltfest, Geburtstagsfeier, Stammtisch und Fluchtachterl vor.

Wir saufen uns nicht nur unser Gegenüber schön, auch für unsere Tätigkeiten im Rahmen der Brauchtumspflege finden wir liebevolle, fast zärtliche Umschreibungen, die die innige – zwischen uns und unserem Rausch bestehende Beziehung adäquat ausdrückt: Wir gehen einen zwitschern wie die Vögelchen, schleppen einen Ziegel mit uns herum, sind weich in Öl eingelegt wie eine Sardine. Wir machen keinen Dampf, haben aber voll einen, den sogenannten „Volldampf“, wir nehmen einen zur Brust wie damals bei Mama, wir dieseln uns zu und lassen uns volllaufen, wie unsere Autos bei der Tankstelle: die saufen auch oft über Gebühr, in dem Fall aber mehr als sogar UNS lieb ist.

Ein „Delirium“ ist für unsere losen Zungen schon zu kompliziert auszusprechen, aber ein Spitzerl, Räuscherl, ein Schwipserl von dem einen Bierchen zu viel, das geht uns so locker über die Lippen wie die Stamperl, Achterl, Seiterl, Halbe, Mass und Doppelliter davor.

Wir sprechen dem Alkohol ZU, er spricht dann DURCH uns, AUS UNS heraus. Eine faszinierend transformierende Form von Geistigkeit, die schon hier auf Erden durch geistige Getränke wundersam, aber zuverlässig hervorgerufen wird. Wir verwandeln den Wein in Wasser und stehen fasziniert vor dem Wunder, das sich in vollem Schwalle aus uns in die Natur oder sonst wohin ergießt zur Freude der Botanik und zum Missmut des Reinigungsgewerbes.

Zwar folgt die die Illuminiertheit der Einspritzung, auf dem Fuss, der Fuß folgt dann aber kaum mehr den Befehlen aus dem zugedröhnten Oberstübchen, was zu eigenartigen Fortbewegungsformen führt, indem der geschundene Körper sich einen möglichst bodennahen Wegverlauf sucht, falls man doch irgendwann nach Hause sollte und sich zumindest EINE Synapse die Adresse des Trinkerheimes noch gemerkt hat.

Wenn wir nämlich unsere Festplatten löschen ist nicht allzuviel viel weg. Auf Grund unserer Erinnerungslücken, aus denen wir größtenteils bestehen, vergessen wir sowieso wieder alles und Bacchus, der gnädigste der alten Götter, der Schutzherr der armen Hunde nimmt uns wieder dankbar in den Reigen seiner Trinkgenossen auf. Wir gustieren, dekantieren, demontieren, demolieren deklamieren etc… bis wir endlich wieder in voller Glut stehen und aus unserem Innersten heraus leuchten wie die Straßenlaternen am Heimweg.

Uns steht alles mögliche bis zum Hals, aber niemals das Wasser!

Darum ihr Kampftrinker, Quartalsäufer oder Gelegenheitstschecheranten.Wir müssen uns unserer vielfältigen und einzigartigen Qualitäten stets bewusst bleiben:

  • Wer außer uns ist breit, flach dicht und voll zugleich? Außer uns niemand.
  • Wer ist angedieselt UND blunznfett im Öl? Nur wir!
  • Wer ist sternhagelvoll – bei völlig leerem Geldbeutel? Wir!
  • Wo verbinden sich Nebel, Dampf, Geist zu höherer Illumination? Nur bei uns!
  • Wo ist Hopfen und Malz verloren? Bei uns sicher nicht!
  • Wer wankt wild wischelnd ins Winkerl – Wir!
  • Was wären wir ohne uns? Nichts?

Darum, Brüder stimmt ein: „Es wird ein Wein oder Bier sein und wir wer´n nimma sein:

So, nach der Arbeit kommt endlich der verdiente Feierabend auch für mich:

„Jetzt geht der Brescher einen trinken.                                                                                                  Morgen sieht man ihn vom Burgdach winken.“

Danke ihr dementen Deliranten! Die Ausstellung ist eröffnet, auf zur Tränke Wohl bekomm´s…

© Copyright Josef Brescher 2017 _________________________________Don´t Drink and Drive!